Fragen & Antworten

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Freiheit und Disziplin sind zwei Seiten einer Medaille


Maria Montessori
Weltweit gibt es rund 40.000 Montessori-Schulen, 400 davon sind in Deutschland beheimatet und ¼ davon in Bayern. Wir sind die einzige alternativpädagogische Bildungseinrichtung im Ostallgäu.

N eben Grundschulen gibt es noch weitere Montessori-Einrichtungen wie Kinderhäuser, Mittel- und Fachoberschulen sowie Gymnasien.

Maria Montessori entwickelte ein pädagogisches Konzept für die Begleitung und Unterrichtung von Kindern im Alter von 0-18 Jahren.

„Doch was macht Montessori-Schulen so besonders, ist Montessori-Pädagogik überhaupt noch zeitgemäß und lernt man überhaupt etwas in Montessori-Schulen?“

hier die häufigsten Fragen und die Antworten darauf


Worin unterscheidet sich die Montessori-Grundschule Füssen von staatlichen Schulen?
- Jahrgangsgemischte Lerngruppen
- Kleinere Gruppengrößen
- Höherer Personalschlüssel, das Bedeutet ein Lehrer-/Schülerverhältnis von ca. 1:10
- Freiarbeit
- Keine Ziffernbenotung
- Keine Hausaufgaben
- Erhebung von Schulgeld

In Montessori-Schulen wird dem individuellen Lebens- und Lernweg von Kindern und Jugendlichen ein großer Raum beigemessen.
Was sagt die Gehirnforschung zum Lernen an Montessori-Schulen?
Unser Gehirn ist ein zeitlebens formbares Organ. Die Bedingungen, unter denen ein Kind aufwächst, sind ganz entscheidend (Gerald Hüther, 2002). Vom Kind selbst bestimmte Lernprozesse in Montessori-Schulen sorgen für optimale Lernprozesse und damit für die bestmögliche Entwicklung des Gehirns. Wichtige Kernaussagen aus Wissenschaft und Forschung fließen kontinuierlich in unsere pädagogische Definition mit ein. Die Aktualität dieser Diskussion gewährleistet der Wissenschaftliche Beirat von Montessori Bayern.
Gibt es Qualitätsvorgaben für die Umsetzung der Montessori-Pädagogik?
Die bayerischen Montessori-Schulen, die sich im Landesverband ‚Montessori Bayern‘ zusammengeschlossen haben, bauen die Umsetzung ihrer pädagogischen Arbeit auf dem Gemeinsamen Schulkonzept auf. In diesem ist zusammengefasst, wie gelingender Unterricht an bayerischen Montessori-Schulen stattfindet. Auf der Basis dieses Gemeinsamen Konzeptes entwickelt jede Schule ihre eigene Konzeption und beschreibt, wie die tagtägliche Arbeit vor Ort umgesetzt wird. Darüber hinaus ist es allen Montessori-Einrichtungen wichtig, dass die Mitarbeiter regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen, um so eine qualitativ hochwertige Umsetzung der Montessori-Prinzipien gewährleisten zu können.
Welche Vorteile hat die Jahrgangsmischung?
In allen gesellschaftlichen, politischen und sozialen Bereichen arbeiten und leben Menschen in alters-gemischten Strukturen. Jahrgangsgemischte Lerngruppen bieten die Möglichkeit der Differenzierung nach Lernvermögen, Lernfähigkeit, Motivationslage und Rhythmus der Kinder. Weiter lernen sie hier Hilfe zu leisten und Hilfe zu empfangen.
„Darf wirklich jede(r) tun was sie/er möchte?“
Nein! Montessori-Schulen sind wie alle anderen Schulen auch dem Lehrplan verpflichtet.
Dieser muss jedoch z.B. Aufgrund der Notenfreiheit und Freiarbeitsmöglichkeit nicht von allen Kindern immer zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo erfüllt werden. Damit werden den von Maria Montessori beschriebenen ‚sensiblen Phasen‘ der Kinder Rechnung getragen und es ist damit eine Grundschulzeit ohne Lern- und Leistungsdruck möglich.
Keine Hausaufgaben?
Maria Montessori bezeichnet die Arbeiten des täglichen Lebens als Hausaufgaben.
An unserer Schule gibt es keine verpflichtenden Hausaufgaben. Die Schülerinnen und Schüler werden je nach Alter dazu angehalten, ihre in der Schule begonnenen Arbeiten (falls nicht beendet) zuhause fertig zu stellten. Freiwillige Zusatzaufgaben sind nach Absprache zwischen Schülern und Pädagogen möglich.
Was bedeutet Freiarbeit?
Sie ist das Herzstück der Montessori-Pädagogik. In der Freiarbeit entscheidet das Kind, was es arbeitet, mit wem, wo und wie lange. Weil das Interesse an der Sache und der individuelle Lern- und Arbeitsrhythmus berücksichtigt werden, ist die Freiarbeit die Zeit höchster Konzentration. Das Ziel der freien Arbeit ist selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen und Arbeiten. Grundvoraussetzung hierfür ist eine „Vorbereitete Umgebung“, die kontinuierlich an die Lern- und Lebensbedürfnisse der Kinder und Jugendlichen angepasst wird.
An unserer Schule bearbeiten die Kinder vor allem die Inhalte des bayerischen Lehrplans in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachkunde auf diese Weise.
Lernen die SchülerInnen genug, wenn so viel Freiarbeit stattfindet?
Ja, aber sie lernen auf eine andere Art. Vielfältige Erfahrungen und auch vergleichende Studien mit Regelschulen zeigen, dass Kinder und Jugendliche in Montessori-Schulen gleich viel lernen. Sie erwerben dabei aber zusätzlich besonders hohe Kompetenzen in der Arbeitsplanung und in der selbständigen Arbeit sowie in der Kooperation an gemeinsamen Arbeitsvorhaben und Projekten. Die freie Wahl der Arbeit in der „Vorbereiteten Umgebung“ und die altersgemischte Zusammensetzung der Lerngruppen motivieren und ermutigen Kinder, sich an Aufgaben heranzuwagen, die ältere Schüler bereits mit Freude und Stolz vormachen.
Leise oder laut – wie ist Freiarbeit?
Weil alle Kinder ihrem Interesse nachgehen, vertiefen sie sich in ihre Arbeit. Sie wollen dabei nicht gestört werden und zeigen deshalb auch Respekt vor der Arbeit der anderen Kinder. Wenn sie etwas besprechen wollen, reden sie entsprechend leise. Aus dem Interesse der Kinder heraus entsteht eine angehnehme Arbeitsatmosphäre der Ruhe und Konzentration.
Wie sieht es mit Übertritt an weiterführende Schulen aus?
Um sich dieser Herausforderung zu stellen, entwickelten die Lehrer der Montessori-Grundschule Füssen ein eigenes Programm, um deren Schüler für die Prüfungstage an der Realschule und am Gymnasium vorzubereiten. Für den Übertritt an die Mittelschule reicht hingegen eine Empfehlung seitens der Lehrer. Das oben erwähnte Programm sieht eine regelmäßige und speziell auf die Kinder zugeschnittene Einheit pro Woche vor, die über mehrere Monate angeboten wird. Ergänzt wird das ganze durch konkrete Empfehlungen, welche Inhalte die Kinder in welchem Umfang zuhause bearbeiten sollen. Auch diese Arbeiten werden von den Lehrern regelmäßig korrigiert. Hier kommt der Schule die personell sehr entspannte Betreuungssituation zugute. Maximal neun Schüler werden an der Montessori-Grundschule Füssen von einem Lehrer betreut. Ganz unabhängig, ob es sich um die Prüfungsvorbereitung oder den normalen Alltag handelt.
Darüber hinaus hat die Montessori-Grundschule Füssen gute Einblicke in die Praxis der Prüfungstage und den dann folgenden Alltag an den Regelschulen, da Lehrkräfte an der Schule arbeiten, die sowohl eigene Unterrichtserfahrung an weiterführenden Schulen mitbringen, als auch bereits dem Prüfungskomitee angehört haben. Diese Erfahrung und die sehr guten Kontakte zu den umliegenden Schulen werden genutzt, um die Kinder optimal für den Übertritt vorzubereiten.
Und die Ergebnisse dieses Engagements können sich durchaus sehen lassen. In den vergangenen 5 Jahren haben 26 Viertklässler die Schule verlassen, davon sind 12 Kinder auf das Gymnasium, 2 Schüler auf die Realschule und 12 auf die Mittelschule übergetreten. Bemerkenswert ist dabei, dass alle Kinder den Probeunterricht in der Regel souverän bestanden haben zum Teil sogar überdurchschnittlich in den relevanten Fächern Mathematik und Deutsch.
Wie gelingen zugleich Individualisierung und Teamfähigkeit in Montessori-Schulen?
Dies gelingt durch geeignete Rahmenbedingungen: Individualisierung geschieht in Montessori-Schulen vom Kinde aus durch die freie Wahl der Arbeit und berücksichtigt das Interesse und die Motivation des Kindes und sogar die Tagesform. Teamfähigkeit wir durch die Bildung alternsgemischter Lerngruppen begünstigt, in denen jedes Kind sich als ratsuchend oder helfend erleben kann. In der Freiarbeit ist auch die Wahl der Partner frei gestellt. Das gemeinsame Interesse an einer Arbeit lässt immer wieder neue Kleingruppen entstehen und führt zu konstruktiver Kooperation.
Ist eine Montessori-Schule teuer?
Montessori-Schulen in freier Trägerschaft werden nur zum Teil durch Zuschüsse der öffentlichen Hand finanziert. Die staatlichen Zuschüsse decken etwa die Hälfte der entstehenden Kosten. Mit den Elternbeiträgen werden beispielsweise besonderes Lernmaterial und die zusätzlichen Pädagogen bezahlt, die in den Lerngruppen eingesetzt werden. Die Höhe der Elternbeiträge richtet sich nach den Bedürfnissen der Einrichtung.
Welche Kinder werden an einer Montessori-Schule aufgenommen?
Montessori-Schulen stehen grundsätzlich allen Kindern offen – unabhängig von Religion, Hautfarbe, Geschlecht und Einkommen der Eltern. Am Tag der offenen Tür kann ein Eindruck darüber gewonnen werden, ob das Konzept und die Arbeitsweise der Schule den Vorstellungen der Kinder, Jugendlichen und Eltern entsprechen. Der Aufnahmeprozess beginnt nach Abgabe einer schriftlichen Absichtserklärung mit den Schülerhospitationen im Januar oder Februar eines jeden Jahres. Auch ein Quereinstieg innerhalb des Schuljahres ist nach Absprache mit den Verantwortlichen der Schule möglich.
Ist es nicht so, dass hauptsächlich Kinder mit Lernschwierigkeiten auf die Montessori-Schule gehen?
Nein. An Montessori-Schulen lernen Kinder aller Begabungsrichtungen. Da schwerpunktmäßig auch das Lernen gelernt wird (über eine besondere Fehler- und Feedbackkultur), ermöglicht dies auch in der Regel Kindern mit Lernproblemen persönliche Fortschritte und Erfolge zu erzielen.
Ist Montessori-Pädagogik eine Kuschelpädagogik?
Nein. Es gibt klare Regeln und Zielvorgaben für die Kinder und Jugendlichen. Die Freiheit des Individuums wird begrenzt durch die Bedürfnisse der Gemeinschaft. Ein besonderer Fokus liegt deshalb auf Beziehungen, Kommunikation- und Sozialerfahrungen. In einer Schule, in der nicht nur die intellektuellen Fähigkeiten angesprochen werden, können sich Schlüsselqualitäten wie Teamfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit prozessual zu denken, vom ersten Schultag an entwickeln. Die Praxis zeigt, dass gerade Montessori-Schüler von Ausbildungsbetrieben besonders geschätzt werden. Die Absolventen studieren und arbeiten erfolgreich in allen Studien- und Berufsfeldern.
Welche Erziehungsvorstellungen der Eltern begünstigen einen Schulerfolg in Montessori-Schulen?
„Hilf mir, es selbst zu tun!“ ist der Ausspruch eines Kindes im Montessori-Kinderhaus. Er wurde zum Leitsatz für alle Montessori-Pädagogen und erinnert daran, dass Kinder selbstständig werden und Verantwortung übernehmen wollen. Dieser Leitsatz sollte auch in den Familien gelten. Was sollten Eltern noch beachten?
• Geborgenheit und Liebe schenken,
• Durch verlässliche Tagesabläufe Sicherheit geben,
• Mit dem Kind neugierig sein und staunen,
• Respekt vor Mitmenschen und allen Lebewesen erleben.
Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist jedoch, dass Eltern ausreichend Vertrauen haben in die Selbstkompetenz ihres Kindes und ihm damit genügend Freiraum für selbständige Erfahrungen gewährleisten können.
Was bedeutet „Kosmische Erziehung“?
Dieser Begriff stammt von Maria Montessori und wird heute in der Montessori-Schule für alle Lernbereiche verwendet, die das Wissen der Welt versammeln (es gibt keine aufgesplitteten Unterrichtsfächer wie Geografie, Geschichte, Biologie, Physik, Chemie). Maria Montessori erkannte, dass alles in unserem Kosmos miteinander in Beziehung steht – die belebte wie die unbelebte Materie. Dieses Beziehungsgeflecht und die besondere Verantwortung des Menschendarin zu vermitteln, ist das Ziel der Kosmischen Erziehung. Als Konsequenz daraus wird an Montessori-Schulen der erforderliche Fachunterricht in seiner bisherigen Form teilweise aufgelöst, inhaltlich vernetzt und so ein zusammenhängendes Verständnis ermöglicht.
Werden die Kinder an der Montessori-Schule weltanschaulich unterrichtet?
Maria Montessori selbst war Christin und danach einem jahrelangen Aufenthalt in Indien auch vom Buddhismus und Hinduismus beeinflusst. Für sie stand die Gelichberechtigung der Menschen in ihren verschiedenen Kulturen und Religionen im Mittelpunkt. Es gibt keine spezifische weltanschauliche Richtung.
Wie stehen Montessori-Schulen zum Umgang mit dem Computer?
Der Umgang mit dem Computer wird altersentsprechend gelehrt – wobei in den ersten Jahren der Schwerpunkt auf dem handelnden Lernen mit den Montessori-Materialien liegt. Der Umgang mit Hardware, Software und Internet ist für SchülerInnen der Mittelstufe und der Oberstufe jedoch eine Selbstverständlichkeit und der verantwortungsbewusste Umgang mit den neuen Medien steht hierbei im Mittelpunkt.
Quelle: Montessori Füssen, Montessori Landesverband Bayern (21 Fragen an Montessori-Schulen)
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