vor 150 Jahren geboren

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Die Reformpädagogin Maria Montessori

Kinder können am besten selbst entscheiden, was und wie sie lernen wollen. Davon war die italienische Reformpädagogin Maria Montessori überzeugt. Und sie hat daraus Konzepte für Kindergärten und Schulen entwickelt, die bis heute aktuell und überall auf der Welt verbreitet sind.

„Sie hat Bildung als den Schlüssel gesehen, die Welt zu verändern. Und sie hat versucht, mit ihrer Pädagogik den Kindern Stärke zu geben“, so beschreibt Christian Grune, Vorstand der Montessori-Stiftung Berlin, zwei Prinzipien der Reformpädagogin, die bis heute aktuell sind.

Dabei wollte Maria Montessori eigentlich gar keine Pädagogin werden. Sie wird am 31. August 1870 in einem kleinen italienischen Ort in der Provinz Ancona geboren, aber die Familie übersiedelt bald nach Rom. Gegen den Willen des Vaters, aber dank der Unterstützung ihrer liberalen Mutter studiert sie als eine der ersten Frauen in Italien Medizin.

Entsetzt beim Anblick nur verwahrter Kinder

Christian Grune: „Maria Montessori ist tatsächlich als Ärztin gestartet und ist dann in Rom sehr schnell halt auch zu der Arbeit mit Kindern übergegangen, die völlig vernachlässigt waren. Also, sie war ja damals schon aktiv auch als Frauenrechtlerin, das heißt sie war, ich denke, durchaus eine Kämpferin.“

Bei ihrer Arbeit in der Psychiatrie begegnet sie dem Elend behinderter Kinder, die damals lediglich verwahrt wurden und keinerlei Ansprache bekamen. Sie ist entsetzt, will helfen. Und als sie beobachtet, dass alle diese Kinder irgendetwas lernen und sich entwickeln können, wenn man ihnen nur Zuwendung und eine anregende Umgebung gibt, kehrt Maria Montessori der Medizin den Rücken. Sie studiert Pädagogik und Anthropologie, lehrt selbst an der Universität und bringt mehrere Förderprojekte auf den Weg.

Privat erlebt sie unterdessen eine dramatisch-schmerzliche Zeit: 1898 bekommt sie ein Kind von ihrem Kollegen Giuseppe Montesano, entscheidet sich aber gegen eine Ehe und gibt es in eine Pflegefamilie:

Christian Grune: „Hätte sie geheiratet, wäre sie in der Gesellschaft damals dann als Hausfrau, Mutter außerhalb eines öffentlichen Wirkungskreises gewesen. Und das wollte sie nicht, und sie hat sich, sobald sie konnte, zu ihrem Sohn Mario Montessori auch bekannt – Mario Montessori wurde später einer ihrer größten Unterstützer, Mitarbeiter, Begleiter, der mit ihr dann auch in späteren Jahren ihre Pädagogik weiterentwickelt hat.“

Sensible Phasen für Entwicklungen

1907 eröffnet Maria Montessori in Roms Armenviertel San Lorenzo die „Casa dei Bambini“, eine erste Kindertagesstätte, wo sie die Grundlagen ihrer Pädagogik entwickelt. Ein wichtiges Element: Die „Freiarbeit“: Jedes Kind entscheidet selbst, womit es sich beschäftigen möchte.

Christian Grune: „Dahinter steckt eine Beobachtung: Im Kind sind bestimmte sensible Phasen für Entwicklungen angelegt, das einfachste ist der Erwerb der Sprache, die ersten Schritte, auch für Mathematik, später dann auch für komplexere Wissenschaften gibt es sensible Phasen. Und das zeigt sich in den Interessen des Kindes.“

Deshalb arbeitet diese Pädagogik mit besonderen, alle Sinne anregenden Materialien, die Maria Montessori selbst entwickelt hat – und mit viel Geduld, Zeit und Vertrauen in das Kind:

„Der Satz ‚Hilf mir, es selbst zu tun‘ ist ja von der Montessori-Pädagogik, glaube ich, schon allgemein bekannt, es ist tatsächlich einer der zentralen Ansätze: Man lernt nur, wenn man eigene Erfahrung sammelt, also, dass das Kind die Arbeit selbst tun kann.“

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Bericht: Andrea Westhoff / Deutschlandfunk